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Leselust Offline



Beiträge: 2.098

20.06.2006 13:40
RE: Guy de Maupassant (1850-1893) antworten

Maupassant muß wie wild gearbeitet haben - sein Werk ist, gemessen an seinem kurzen Leben, riesig. Er läßt uns lachen und weinen über menschliche Unzulänglichkeiten - manchmal beides zugleich - und schildert bei fortschreitender Krankheit immer eindrücklicher Ängste und Verzweiflung, besonders in seiner Erzählung "Der Horla", die ein unfaßbares, schreckenerregendes Phantom beschreibt. In der Erzählung "Sur l'eau" ("Auf dem Wasser") wechselt meisterhafte Naturschilderung mit gleichartiger Beschreibung der wechselnden Seelenzustände eines Mannes, der in einem Boot auf dem Fluß übernachtet. Dabei sind Naturerscheinungen wechselnd Spiegelbild und Kontrast zu seinen Gefühlen: Begeisterung, Langeweile, Ärger und Angst, Bewunderung der Natur und Entsetzen. Das grausige Ende der Geschichte ist ein einziger kurzer Satz, ohne wertende oder beschreibende Adjektive.
Über das Landleben in der Normandie hat Maupassant mehrere kurze Erzählungen geschrieben - wer sich nach dem friedlichen Leben auf dem Lande sehnt, wird hier eines besseren belehrt. Seine Bauern sind geizig, rachsüchtig, habgierig, ihr ärmliches Leben hart und eintönig.
Aber auch rührende Liebesgeschichten - höchst realistisch und doch zum Heulen schön - schrieb er. Mein Favorit ist "Simons Papa", die Geschichte eines unehelichen Jungen, der verspottet wird und sich mit großer Hartnäckigkeit einen "Papa" sucht.
Wer Maupassant lesen will und sich nicht gleich an seine großen Romane wagt, ist mit den vielen verschiedenen Erzählungen gut bedient. Übrigens ist sein Französisch gut lesbar - man muß nicht Romanistik studiert haben, um Maupassant im Original zu lesen.

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