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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 958 mal aufgerufen
 Hier wird vorgestellt und besprochen:
Leselust Offline



Beiträge: 2.098

05.07.2006 14:00
RE: Edgar Allen Poe (1809-1849) antworten

Und auf meinem Türgerüste, auf der bleichen Pallasbüste,
Unverdrossen, ohn' Ermatten, sitzt mein dunkler Gast noch immer.
Sein Dämonenauge funkelt und sein Schattenriß verdunkelt
Das Gemach, schwillt immer mächt'ger und wird immer grabesnächt'ger –
Und aus diesen schweren Schatten hebt sich meine Seele nimmer,
Nimmer, nimmer, nimmer, nimmer –.


Düster sind Poes Geschichten und Gedichte, und ihre Quintessenz ist sehr oft, daß wir einem düsteren Verhängnis ausgeliefert sind. Selbst in seinen Kriminalgeschichten (Der Doppelmord in der Rue Morgue; Du hast's getan) ist die Aufklärung am Ende kaum weniger gruselig als die Tat selbst. Der Goldkäfer und Die Augengläser sind freundlichere Geschichten, die mit skurrilem Humor über menschliche Eitelkeiten herziehen - aber das düstere Moment haben sie alle. Kein Wunder bei einem Menschen, dessen Leben von Alkohol und Drogen geprägt war und der nach nur neunjähriger Ehe als Witwer wohl den letzten Halt verlor.
Die Gänsehaut ist garantiert bei Poes Geschichten, die teils mit Übersinnlichem zu tun haben, teils eine völlig rationale Auflösung haben, die aber regelmäßig als Überraschung daherkommt - es sah so sehr nach Geistern aus!
Dabei ist Poes Sprache immer meisterhaft, immer originell. Mit seinen eindrucksvollen Beschreibungen holt er uns geradewegs in seine Schreckenskammern hinein - ob diese nun in einer überreizten Phantasie oder einem tatsächlichen Ort von Verbrechen oder Spuk bestehen.

Consus Offline




Beiträge: 49

22.01.2009 15:29
#2 RE: Edgar Allen Poe (1809-1849) antworten

Zu Ehren Edgar Allan Poes, der am 19. Januar vor 200 Jahren geboren wurde, sei auf die Kurzgschichte The Masque of the Red Death hingewiesen. Schon die stark auf unsere Sinne wirkende Beschreibung der Zimmerfluchten mit ihren Fenstern und ihrer Beleuchtung ruft einen schaurigen Eindruck hervor, hier im Original:

The apartments were so irregularly disposed that the vision embraced but little more than one at a time. ... To the right and left, in the middle of each wall, a tall and narrow Gothic window looked out upon a closed corridor which pursued the windings of the suite. These windows were of stained glass whose color varied in accordance with the prevailing hue of the decorations of the chamber into which it opened. ... The seventh apartment was closely shrouded in black velvet tapestries that hung all over the ceiling and down the walls, falling in heavy folds upon a carpet of the same material and hue. But in this chamber only, the color of the windows failed to correspond with the decorations. The panes here were scarlet -- a deep blood color. ... in the corridors that followed the suite, there stood, opposite to each window, a heavy tripod, bearing a brazier of fire that protected its rays through the tinted glass and so glaringly illumined the room. And thus were produced a multitude of gaudy and fantastic appearances. ...

Gemini Offline




Beiträge: 11.569

18.02.2009 11:04
#3 RE: Edgar Allen Poe (1809-1849) antworten

Edgar Allen Poe, ich wurde im "richtigen Alter" mit seinem Werk bekannt,war so 13 oder 14 Jahre alt. Las ihn in der Folge nach E.T.A. Hoffmann...
Die Maske des Roten Todes war damals für mich das Beeindruckendste, was ich je gelesen hatte. Unter anderem auch wegen der Beschreibung der Zimmerfluchten.

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

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