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Leselust Offline



Beiträge: 2.098

07.07.2006 22:20
RE: Harriet Beecher-Stowe (1811-1896) antworten

Onkel Toms Hütte, den ersten Roman von Beecher-Stowe, kennt jeder - aber sie hat danach keinesfalls aufgehört zu schreiben. Dred beschreibt den Kampf eines Sklaven, der in den Sümpfen Aufständische um sich sammelt. Der charismatische Dred wird heimlich von vielen Sklaven und auch von einigen Weißen unterstützt. Aber trotz aller Sympathie und Hilfe ist sein Widerstand zum Scheitern verurteilt. Ein versöhnliches Ende gibt es doch; mit knapper Not schaffen es andere Sklaven, die sich Dred angschlossen hatten, nach New York zu fliehen, wo sie sich gemeinsam mit weißen Abolitionisten (Gegnern der Sklaverei) eine Existenz aufbauen. Ein erschütterndes Buch, das die pseudoreligiösen Begründungen und juristischen Verteidigungen ebenso wie die wirtschaftlichen Auswirkungen der Sklaverei genau beschreibt.
Anders als in Onkel Toms Hütte ist die Titelfigur Dred keineswegs ein ständiger Gutmensch. Er hat etwas durchaus Beängstigendes, ist voll wilder Poesie, ungezähmt bis zu seinem sehr traurigen Ende.
Harriet Beecher-Stowe hat in ihrer leidlich sicheren Position einer Lehrerin, bürgerlichen Ehefrau und Mutter ein tiefes Mitgefühl bewahrt für Unterdrückte. An ihren jüngsten Sohn schrieb Jahre nach der Erstveröffentlichung von Onkel Toms Hütte: »Mir brach fast das Herz vor Jammer über die Grausamkeit und das Unrecht, welche von unserem Volk an den Sklaven begangen wurden... Manche Nacht, während Du an meiner Seite schliefst, vergoß ich heiße Tränen, wenn ich an die armen Sklavenmütter dachte, denen ihre Kleinen entrissen wurden.«
Die in Dred geschilderten Bestialitäten gegenüber Sklaven und Abolitionisten sind, wie sie in erläuternden Absätzen schreibt, so oder ähnlich immer wieder wirklich geschehen. Sie zitiert auch aus Gerichtsakten, in denen dargelegt wird, warum Schwarze keine Rechte haben konnten - sie waren nach geltendem Recht nicht als Personen, sondern als Sachen anzusehen.
Beecher-Stowe ist ein Beweis dafür, daß Literatur etwas ausrichten kann. Daß die Sklaverei endlich abgeschafft wurde - wenn es auch einen Bürgerkrieg und unzählige Tote kostete -, ist zum guten Teil darauf zurückzuführen, daß sie den Mut hatte, zu schreiben.
Getragen wurde sie durch ihren starken Glauben an einen liebevollen und gerechten Gott aller Menschen - und durch eine Familie, die sich geschlossen gegen die Sklaverei stellte, nicht nur theoretisch, sondern auch durch Verstecken einer geflohenen Sklavin. Das war eine Straftat, die mit Tod durch den Strang oder mehrjährige Haft geahndet werden konnte; es gehörte also nicht weniger Mut dazu als in deutscher Vergangenheit zum Verstecken von Juden.

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