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Leselust Offline



Beiträge: 2.098

05.11.2006 12:42
RE: Schuld und Sühne - nicht nur bei Dostojewski antworten

Schuldig werden und Sühne leisten sind nicht nur im 19. Jh. existenzielle Erfahrungen. Fjodor Michailowitsch Dostojewski(1821-1881) ist auch nicht der einzige, der darüber eindringlich geschrieben hat. Sein berühmtes Werk (Titel in einer neueren Übersetzung: Verbrechen und Strafe)zeigt sehr eindringlich, wie ansteckend Bosheit ist. Denn Raskolnikow wäre wohl kaum zum Mörder geworden, wenn seine Zimmerwirtin nicht so hartherzig gewesen wäre. Und selbst sein Verbrechen ist nicht imstande, sein soziales Gewissen zu vernichten. Zwar gleitet Dostojewski im Verlauf des Romans meiner Meinung nach in eine fatale Sozialromantik ab - z.B. scheint mir die Frau, die ihm in die Verbannung folgt, nicht allzu glaubwürdig (sie ist einfach zu gut), und auch Raskolnikow wird mir allzu "glatt poliert". Dostojewski gleitet hier nach dem psychologisch glaubwürdigen Anfang in einen unglaubwürdigen Kitsch ab. Trotzdem bleibt die Botschaft des Buches bestehen, daß keine Untat zu schrecklich ist, um gesühnt - und verziehen - zu werden.

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