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Leselust Offline



Beiträge: 2.098

30.07.2007 15:09
RE: Rezeption biblischer Geschichten antworten

Die Romantik hat einen unmittelbaren Zugang zu biblischen Geschichten; die symbolverliebte Zeit schätzt die bildgewaltigen Erzählungen der Bibel. Ich stelle hier exemplarisch nur wenige Autoren vor:

Heinrich Heine beschreibt in seinem Gedicht Belsatzar die wohl bekannteste Geschichte aus dem Buch Daniel - das Schauerliche und Unerklärliche fasziniert den Romantiker.
Friedrich Rückert, Orientalist, Übersetzer und Theologe, faßte das Leben Jesu in Verse und schuf neben den Dramen über biblische Gestalten Saul und David und Herodes der Große auch das Gedicht Jusuf und Suleicha, das in islamischer Tradition die Geschichte von Potifars Frau und Josef legendär fortschreibt. Hier sind der biblische Text, die islamische Literatur, die Orientbegeisterung der Romantik und Rückerts Religiosität und Bibelkenntnis gleichermaßen wichtig.
Else Lasker-Schüler (sie lebte zwar bis 1945, war aber zur Jahrhundertwende immerhin schon 31 Jahre alt und von der Spätromantik geprägt) schrieb Hebräische Balladen - einen Gedichtzyklus über biblische Gestalten, teils noch in streng gebundener Form, teils in freien Rhytmen.

Das 19. Jh. erfand die Kinderpastoral, also auf Kinder zugeschnittene Gottesdienste und für Kinder verständlich aufgearbeitete Verkündung. Das bedeutete die gleichzeitige Entstehung so schöner Fassungen der alten Geschichten wie die Rezeption von Matthäus 2,1-12 bei Johann Peter Hebel, Biblische Geschichten - den Kindern erzählt und einer Unzahl von süßlich-kitschigen Machwerken. Die Biblischen Geschichten waren bis 1855 Schulbuch; sie wurden dann zurückgezogen, wohl weil Hebels freier Erzählstil und seine Art, die Geschichten teilweise in ein den Kindern bekanntes Umfeld zu versetzen, überstrengen Theologen mißfiel. Aber da war es schon zu spät - das Büchlein stand bereits in unzähligen Bücherregalen und wurde immer wieder vorgelesen, gelesen und weitergegeben.

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