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Consus Offline




Beiträge: 49

08.10.2007 14:25
RE: Gustave Flaubert (1821 - 1880) antworten

Heute möchte ich eins meiner Lieblingsbücher aus der französischen Literatur vorstellen: Gustave Flaubert, Salammbô. Einen ersten Eindruck erhält man schon aus der Eingangsszene im ersten Kapitel:

C'était à Mégara, faubourg de Carthage, dans les jardins d'Hamilcar.

Les soldats qu'il avait commandés en Sicile se donnaient un grand festin pour célébrer le jour anniversaire de la bataille d'Eryx, et comme le maître était absent et qu'ils se trouvaient nombreux, ils mangeaient et ils buvaient en pleine liberté.

Les capitaines, portant des cothurnes de bronze, s'étaient placés dans le chemin du milieu, sous un voile de pourpre à franges d'or, qui s'étendait depuis le mur des écuries jusqu'à la première terrasse du palais ; le commun des soldats était répandu sous les arbres, où l'on distinguait quantité de bâtiments à toit plat, pressoirs, celliers, magasins, boulangeries et arsenaux, avec une cour pour les éléphants, des fosses pour les bêtes féroces, une prison pour les esclaves.


In der Übersetzung von Georg Brustgi (insel taschenbuch 1867, Ffm 1996, S. 9):

Es war in Megara, der Vorstadt von Karthago, in den Gärten Hamilkars.

Die Soldaten, die er in Sizilien befehligt hatt, veranstalteten ein großes Festgelage, um den Jahrestag der Schlcht bei Eryx zu feiern, und da der Herr abwesend war und sie in großer Zahl versammelt waren, aßen und tranken sie in völliger Ungezwungenheit.

Die Hauptleute, die bronzene Kothurne trugen, hatten auf dem Mittelweg unter einem Purpurzelt mit goldenen Fransen Platz genommen, das von der Mauer der Pferdeställe bis zur ersten Terrasse des Palastes reichte. Die Masse der Gemeinen lagerte verstreut unter den Bäumen, wo man eine Menge Gebäude mit flachen Dächern erkennen konnte, Keltern, Speisekeller, Vorratsspeicher, Backhäuser und Rüstkammern mit einem Gehege für die Elefanten, Gruben für die wilden Tiere und einem Gefängnis für die Sklaven.


Mit einer unglaublichen Detailtreue in Bezug auf alle Sinneseindrücke, insbesondere auf Örtlichkeiten, Farben, Gerüche schildert Flaubert ein ebenso prachtvolles wie dramatisches, zum Teil grausiges Geschehen. Kein Wunder, dass man, wenn Salammbô, die sinnliche karthagische Prinzessin, vor unser geistiges Auge tritt, spontan an Moreaus Salome im Gemälde „Die Erscheinung“ denkt. Man sehe sich auch die Illustrationen von Georges Rochegrosse und Léon Comerre an. Die literaturhistorische Bewertung möchte ich anderen überlassen und hier nur zur langsamen, genussreichen Lektüre einladen.

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