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Dieses Thema hat 1 Antworten
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Leselust Offline



Beiträge: 2.098

12.10.2007 18:51
RE: Theodor Fontane (1819-1898) antworten

Ein Hugenottensprößling und politisch wacher Kopf, der Deutschland, seine Landschaften und seine literarische Tradition als geistige Heimat liebte, ohne je in nationalistisches Fahrwasser zu geraten - Fontane war einer der wachsten Köpfe des 19. Jhs. und unter den deutschsprachigen Literaten einer der größten.
Fontane beschreibt Menschen mit höchster Genauigkeit - aber immer auch mit (manchmal augenzwinkernder) Liebe.
In der Novelle L'Adultera - die Geschichte einer vermögenden Frau aus "gutem Hause", die ihren Mann verläßt, um ihren Geliebten zu heiraten - kommen alle Figuren zu ihrem Recht; auch die komisch-spießigen Gestalten (allen voran der Ehemann) sind nirgends überzeichnet und in überaus freundlicher Weise - und eben doch genau! - dargestellt.
Genaue Beschreibungen von Menschen, Bräuchen, Umwelt, Natur prägen die Wanderungen durch die Mark Brandenburg - und andere Reisebeschreibungen. Das ist wunderbare Lektüre, ebenso zur Reisevorbereitung wie zum Reise-Ersatz.
Als Lyriker bringt Fontane fertig, zugleich Realist und Romantiker zu sein; seine Balladen überhöhen nicht so sehr wie sie beschreiben - und stellen uns dadurch glaubwürdig wundervolle Menschen vor Augen. In der Grundschule lernte ich auswendig Herr von Ribbek auf Ribbek im Havelland, dies bezaubernde Denkmal der humorvollen Güte. Tief beeindruckt hat mich auch bereits damals ein Gedicht, in dem er gegen seine Gewohnheit Übersinnliches vorkommen läßt, nämlich die Hexen aus Shakespeares Macbeth. Die Brück' am Tay hatte als technisches Wunderwerk gegolten; ihr Einsturz konnte zu Fontanes Zeit nicht geklärt werden.
Die Ballade John Maynard beschreibt zwar auch ein Unglück, aber hier ist nichts Rätselhaftes - Feuer auf einem Schiff, das kam vor, und es geht hier um die Heldentat des Steuermanns. Dabei wird nicht wie in der klassischen Ballade der Held zum antiken Heroen überhöht, sondern glaubwürdig dargestellt als ein mutiger und leidender Mensch.
Schließlich noch mein besonderer Fontane-Liebling Archibald Douglas, die Geschichte des alten Mannes, der alles riskiert, um nicht mehr im Exil leben zu müssen. In einer Zeit von Jugendwahn und Verachtung des Alters ist mir dieser mutige und liebevolle Alte ein besonderer literarischer Freund.

Consus Offline




Beiträge: 49

16.10.2007 16:42
#2 RE: Theodor Fontane (1819-1898) antworten

Im vorigen Jahr fand ich die Ballade John Maynard in Bronze gegossen am Seeufer in Buffalo:

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