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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 hier wird vorgestellt und besprochen:
Gemini Offline




Beiträge: 11.569

12.12.2007 13:37
RE: August Strindberg antworten

Ohh, toll, dass ich an den großen, umstrittenen Schweden erinnern kann.

Johan August Strindberg ist 1849 in Stockholm zur Welt gekommen und 1912 dort von der Welt gegangen. Sein Leben zwischen diesen Jahreszahlen (63J) war ziemlich bewegt.

Trotzt wirtschaftlicher Beschränkungen seiner Familie konnte er das Abitur machen.
Später finanzierte er sich durch die Tätigkeit als Hauslehrer, versuchte sich als Schauspieler, begann ein Medizinstudium, brach es ab, wurde Redakteur.

Der literarische Durchbruch gelang ihm 1879 mit dem satirischen Gesellschaftsroman "Das rote Zimmer".

Er verlies 1883 Schweden, um Europa zu erobern. In den folgenden Jahren führte er das Leben eines Bohèmes. Dieser Abschnitt seines Lebens wurde von inneren Kämpfen und psychischen Problemen bestimmt.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit beschäftigte er sich mit Malerei, naturwissenschaftlichen Experimenten und Okkultismus.

Seine erste Ehe mit Siri von Essen dauerte bis 1889.
1893 heiratete er die österreichische Schriftstellerin Frida Uhl, um sich ein Jahr später auch von seiner zweiten Frau zu trennen.
1899 kehrte Strindberg nach Schweden zurück. Er schrieb Gedichte, Dramen, Romane und Theaterstücke.
1901 heiratete er seine dritte Frau Harriet Bosse, bekommt von ihr eine Tochter , lässt sich 1904 wieder scheiden.

Genaueres findet man auf wikipedia
und im bbkl

Auf dem Projekt Gutenberg ist über ihn zu finden: das

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

Gemini Offline




Beiträge: 11.569

12.12.2007 21:31
#2 RE: August Strindberg antworten

Wer kennt es nicht, das Rumsteak Strindberg oder Biff Strindberg. Da ich Rezepte liebe und auch gern mal in einer Erzählung verarbeite, wollte ich diesen Beitrag hier auch etwas mit Rezepten auflockern und suchte zuerst einmal danach, ob Rezept und Literat überhaupt zusammengehören.
Gefunden habe ich das:

Natürlich ähneln sich die Speisenkarten beider Häuser in allen Details - selbst die Gewohnheit, nostalgische Renner der DDR-Küche anzubieten -, aber sie sind noch intensiver mit Senf verfeinert, als sie dies ohnehin schon im Stammhaus waren.

Das scheinbar innigste Verhältnis pflegen die Scheits dabei zum Steak „Strindberg", das einige Historiker übrigens als Lieblingsspeise dem gleichnamigen schwedischen Schriftsteller zuschreiben. Eine andere Anekdote jedoch berichtet, dass diese Spezialität erst 1959 vom Gastwirt der „Kupferkanne" in Frankfurt am Main entwickelte wurde, der dann das „Biff Strindberg" willkürlich nach dem Dichter benannt haben soll.

Für diese Theorie spricht, dass die Rezeptur erst Mitte der Sechziger in der Fachliteratur auftaucht.
siehe:
http://landgasthofscheit.de/presse4.htm

Und das Rezept selbst geht so:

Roastbeef zu (Rump)Steaks schneiden
Steak salzen,pfeffern,mehlieren
dann mit einer Senf-Zwiebelstückchenmasse besteichen ,sacht andrücken und dann durch geschlagenes Ei ziehen
bei nicht zu starker Hitze das Fleisch rosa braten

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

Gemini Offline




Beiträge: 11.569

13.12.2007 11:48
#3 RE: August Strindberg antworten

Karl Kraus (österr. Dichter und Satiriker)
hatte für Strindberg folgenden Nachruf:

Juni 1912


August Strindberg †

Die Schrift im Herzen Strindbergs hat Bibellettern. Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen. Und nahm seiner Rippen eine. Und bauete ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm. Da sprach der Mensch: Das ist nun einmal Bein von meinem Beine, und Fleisch von meinem Fleische! Sie heiße Männin; denn vom Manne ist sie genommen ... Und sie sah, daß von dem Baume gut zu essen wäre ... Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß ... Dieses ist das Buch von des Menschen Geschlecht. Wieder ist alles einfach wie am siebenten Tag. Es ist der Schrei Adams, der mit dem Rücken zur Menschheit das Gleichnis Gottes sucht. Er erkennt, daß er nackt sei. Dort bewahrt der Cherub den Weg zu dem Baum des Lebens.
Hier draußen aber ist dem Menschen das Weib zugesellt, geschaffen aus etwas, das ihm fehlt, geschaffen aus dem Mangel. Das Weib ist die Rippe, ohne die er leben muß; also kann er ohne das Weib nicht leben. Denn sie sind Ein Fleisch: so sollen sie zwei Seelen sein!

Strindberg fordert von Gott die Rippe des Mannes zurück, denn Gott ist ihm die Seele des Weibes schuldig geblieben. Die Schöpfung ist ihm im Manne beschlossen, alles Weitere ist Minderung.
Strindberg glaubte schon, ehe er seinen Frieden mit Gott machte: er glaubte an zuviel Gott. Die wahren Gläubigen sind es, welche das Göttliche vermissen. Er wollte nicht wissen, daß es Tag und Nacht gibt, Mann und Weib. Er forderte von Gott eine Hälfte ein. Er war ein Gläubiger Gottes: des Schuldners. Er mußte der Nacht verfallen und dem Weib, um auch dort Gott zu erleben.
Und Gott rief: Adam, wo bist du? ... Er war am Weibe zum Chaos geworden, das Welt wurde im Dichter. Das Weib unterbricht in Strindberg die Schöpfung, weil es aus dem Glauben erschaffen ist, daß es zerstören könne.
Aber das Weib zerstört nicht den Mann. Ihr Dasein kann hindern oder unnütz sein: so wird ihr Fernsein hilfreich wie Gottes linker Arm. Der mehr als ein Mann war und mehr als den Gott wollte, brauchte den Teufel, um zur Schöpfung zu kommen. Aber er war nicht wie Gott imstande, aus dem Mangel das Weib zu erschaffen. Er hat ihn nur wie Weininger tragisch erlebt, tragischer, weil er nicht den Ausweg Weiningers fand.
Immer ist dort das Geschlecht des Mannes mit sich nicht fertig geworden, wo es die Seele des Weibes beruft. Aber der Geist kann nur am Gegenteil erstarken und nur, wenn er durch alle erkannten Mißformen der Weibkultur zum Ursprung strebt. Denn das Geschlecht des Weibes werde Geist, und Paulus schreibt an die Korinther: »Wie das Weib von dem Manne ist, also ist der Mann durch das Weib da; Alles aber ist von Gott.«
So hat auch Strindbergs Geist von dem Ursprung gelebt, den seine Erkenntnis floh, und im Pathos dieses Widerspruchs lebte er zwischen Himmel und Erde. Hebbels bürgerlichste Bürgschaft: Darüber kommt kein Mann weg, verwandelt sich in Strindberg zum Erdbeben: Über das Weib selbst kommt kein Mann weg. Denn »darüber« nicht wegzukommen, bringt jedermann zustande. Aber nur einer trägt für sie alle, ein christlicher Titan, den Himmel auf seinen Schultern ... Strindberg war immer, den Rücken zur Menschheit, auf dem Wege zu Gott, in Leidenschaft und Wissenschaft. Adam oder Faust, er sucht ihn im Laboratorium und in der Hölle der erotischen Verdammnis.
Er sendet die letzte christliche Botschaft aus. Da er stirbt, geschehen am Himmel keine Zeichen, aber die Wunder der Erde wirtschaften ab. Die titanische Technik sinkt, und singt: Näher, mein Gott, zu Dir! Strindberg, sterbend, horcht auf und versucht eine Melodie. Bernhard Shaw, überlebend, zuckt die Achseln. Er glaubt nicht, daß näher zu Gott männlicher ist. Strindbergs Wahrheit: Die Weltordnung ist vom Weiblichen bedroht. Strindbergs Irrtum: Die Weltordnung ist vom Weibe bedroht. Es ist das Zeichen der Verwirrung, daß ein Irrender die Wahrheit sagt.
Strindbergs Staunen über das Weib ist die Eisblume der christlichen Moral. Ein Nordwind blies, und es wird Winter werden.

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

Gemini Offline




Beiträge: 11.569

13.12.2007 11:52
#4 RE: August Strindberg antworten

es meinten:

Max Reinhardt:

Ein wahrhaft faustische Natur, August Strindberg, der wie von einem bösen Geist durch alle Höhen und Tiefen des Lebens geschleppt wurde, bis zu seiner Erlösung, hat von seinem furchtbaren geistigen Ringen bleibende Dokumente dem deutschen Theater hinterlassen

Hermann Hesse:

Er hat sich gern auf die Bank der Spötter gesetzt, nie aber auf die Bank der Bequemen und Selbstgenügsamen, er ist bei keinem Fündlein und kleinen geistigen Erwerb sitzengeblieben, um nun dessen Zinsen zu genießen...
Wohl hat er zuweilen Rache genommen und Peitschenhiebe geschrieben, aber ich fühle kein Bedürfnis, sie zu entschuldigen, ich möchte sie gar nicht missen.

Theodor Fontane:

Ein furchtbarer Mann, dieser Strindberg, aber doch von einem so großen Talent, daß man in seinem Unmut, Ärger und Ekel immer wieder erschüttert wird.

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

Leselust Offline



Beiträge: 2.098

14.12.2007 10:39
#5 RE: August Strindberg antworten

Vielen Dank für diesen Hinweis, Gemini! Ich habe gleich damit begonnen, meine diesbezügliche Bildungslücke zu schließen, indem ich die ganz kurze und sehr ergreifende Erzählung Ein halbes Blatt Papier gelesen habe. (Erzählung trifft es nicht genau - das ist wieder so ein Stück Literatur, das sich in kein Genre einordnen läßt.)

Consus Offline




Beiträge: 49

14.12.2007 11:10
#6 RE: August Strindberg antworten

Ein Hinweis am Rande:

1905 erschien von August Strindberg ein kleines Werk mit dem Titel Historiska miniatyrer / Historische Miniaturen. Eine solche Miniatur trägt den Titel LEONTOPOLIS. Unter folgender Adresse kann man sie in zwei verschiedenen lateinischen Übersetzungen nachlesen:
http://www.latein.at/forum/viewtopic.php?t=23231

[ Editiert von Consus am 14.12.07 11:11 ]

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