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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 576 mal aufgerufen
 Hier wird vorgestellt und besprochen:
Leselust Offline



Beiträge: 2.098

07.01.2008 21:40
RE: Ada Christen (1839-1901) antworten

Zwar findet man sie und ihr Werk leicht im Netz - aber bekannt ist sie nicht.
Jeder Zorn und jedes Leid wurde Ada Christen zum Gedicht, der schein-christlich legitimierte Antijudaismus ihrer Zeit ebenso wie die Ächtung unehelich Geborener, der Tod ihres einzigen Kindes ebenso wie ihr unbefriedigendes Eheleben. Skandalös waren viele ihrer Gedichte; Rausch und sexuelle Begierde galten nicht als schickliche Themen für eine Frau.

Ich sehne mich nach wilden Küssen,
Nach wollustheißen Fieberschauern;
Ich will die Nacht am hellen Tag
Nicht schon in banger Qual durchtrauern.

Noch schlägt mein Herz mit raschem Drang,
Noch brennt die Wang' in Jugendgluthen –
Steh' still, lösch' aus mit einem Mal!
Nur nicht so tropfenweis verbluten!

***

Links die zischelnden Komödianten,
Rechts von mir mein Bräutigam;
Hinter ihm die Anverwandten
Zucken sich die Achseln lahm.

Vor mir mild der greise Priester,
In mir keine Harmonie,
Auf den blonden lichten Locken
Grüne Myrthenironie.

***

Biedere Hausfrauen

Soll ich es nochmals wiederholen?
Ihr habt mich ja so oft gefragt,
Und tausend Mal hab' ich auf Ehre
Die volle Wahrheit Euch gesagt. –

Ja, ich bewund're Eure Tugend,
Und ich bewund're Eure Kinder,
Bewund're Eure magern Mägde,
Bewund're Eure fetten Rinder;

Bewund're mehr noch Eure Männer,
Bewund're Eure kluge Stummheit,
Bewund're Eure feine Wäsche –
Beneide Euch um Eure Dummheit.


Ferdinand von Saar hatte ihr Talent erkannt und gefördert - er war Herausgeber ihres ersten Gedichtbandes Lieder einer Verlorenen, dem das erste zitierte Gedicht entstammt. Theodor Storm schrieb über ihr Buch Aus der Tiefe: Es ist ein sehr ernstes, auch oft bittres Buch; aber es ist kein faselicher Weltschmerz, man fühlt, es steht ein Lebendiges dahinter.

Gemini Offline




Beiträge: 11.569

10.01.2008 14:10
#2 RE: Ada Christen (1839-1901) antworten

Hehe, vielen lieben Dank, Ada Christen - lese ich hier das erste mal !

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

Leselust Offline



Beiträge: 2.098

02.10.2008 23:47
#3 RE: Ada Christen (1839-1901) antworten

Hier zwei Gedichte aus dem Zyklus Herzblut.


Ach, ihr wißt nicht, wie sich's lebt,
Athmet in der Trunkenheit
Einer Liebe, die befreit,
Die begeistert, die erhebt!

Ach, ihr wißt nicht, wie sich's lebt,
Athmet in Versunkenheit
Einer Liebe, die entweiht,
An der Schmach und Elend klebt!


-----


Von dem, was ich besessen,
Ist wenig mir geblieben,
Von meinen süßen Träumen,
Von Glauben, Hoffen, Lieben!

Nur schmerzliches Erinnern
Ist's, was das Herz behielt,
Verachtung, Haß und Flüche -
Und eines Mannes Bild.

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