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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 470 mal aufgerufen
 Hier wird vorgestellt und besprochen:
Leselust Offline



Beiträge: 2.098

06.03.2008 00:08
RE: Bettina von Arnim (1785-1859) antworten

Wer ist des Staates Untertan? Der Arme ists!- Nicht der Reiche auch?- Nein, denn seine Basis ist Selbstbesitz und seine Überzeugung, daß er nur sich angehöre!- Den Armen fesseln die Schwäche, die gebundenen Kräfte an seine Stelle.- Die Unersättlichkeit, der Hochmut, die Usurpation fesseln den Reichen an die seine. Sollten die gerechten Ansprüche des Armen anerkannt werden, dann wird er mit unzerreißbaren Banden der Blutsverwandtschaft am Vaterlandsboden hängen, der seine Kräfte der Selbsterhaltung weckt und nährt, denn die Armen sind ein gemeinsam Volk, aber die Reichen sind nicht ein gemeinsam Volk, da ist jeder für sich und nur dann sind sie gemeinsam, wenn sie eine Beute teilen auf Kosten des Volkes.

Politisch engagiert und literaturbegeistert war sie, sensibel und witzig - eine gebildete, emanzipierte und lebenshungrige Frau. Die Günderode, der Briefwechsel zwischen dem Mädchen Bettina und der jungen Frau Karoline, zeigt die 16jährige bereits als Sprachkünstlerin, die in romantischem Überschwang ihre Umwelt und ihre Gefühle beschreibt. Selbstbewußt und witzig ist auch die Heldin des Märchens, das sie gemeinsam mit ihrer Tochter Gisela von Arnim verfaßte.

Hier noch zwei besonders schöne Gedichte von ihr:

Eros

Im Bett der Rose lag er eingeschlossen,
Im Wechselschimmer ihrer zarten Seiten,
Die taugebrochnen Strahlen schmeichelnd gleiten
Hinein zu ihm, von Geisterhauch umflossen.

Mich dünkt, in Schlummer waren hingegossen
Die reinen Glieder, durch des Dufts Verbreiten
Und durch der Biene Summen, die zuzeiten
Vorüberstreift an zitternden Geschossen.

Doch da beginnt mit einemmal zu schwellen
Der Blume Kelch! Ins Freie nun gehoben,
Erkenn ich ihn im Tagesglanz, dem hellen.

Es ist mein Auge vor ihm zugesunken,
Der mich so seltsam mit dem Blick umwoben,
In seinem Lichte lieg ich traume-trunken.

---

An Pamphilio

Im Grase liegen!
Im Regengeträufel
Den Busen kühlen,
Den heißen!
Den du bewegst, Liebe,
Träumende;
Mich Träumer schiltst,
Der dich nur träumt, Liebe.

Nicht stören
Emse, Käfer, goldne Biene,
Eurer finstern Vesten,
Eurer sonnigen grünen Reiche
Verständig Gewimmel;
Nicht mich erhebend,
Euch beugen, weiche Halme.
Den rollenden Sand unter der Sohle,
Dein Schweigen, Natur, nicht brechen.
Nicht auf raschlendem Blatt
Mit dem Griffel dich wecken,
Genius! - Träumender!
Schön ruhender!
Dein Hauchen Abendwind! Überm Wasser!
Traube! - Herbstbereifte! - Dein Feuer!
Zu hauchen, mit schüchternen Lippen
In ihren Hauch,
Die meine Brust bewegt -
Die Liebe!

Consus Offline




Beiträge: 49

06.03.2008 22:43
#2 RE: Bettina von Arnim (1785-1859) antworten

...aber die Reichen sind nicht ein gemeinsam Volk, da ist jeder für sich und nur dann sind sie gemeinsam, wenn sie eine Beute teilen auf Kosten des Volkes.
Erschreckend aktuelles Zitat. Eine kluge Frau wahrlich, die dies schrieb...

Gemini Offline




Beiträge: 11.569

20.03.2008 15:49
#3 RE: Bettina von Arnim (1785-1859) antworten

Ja, wenn man von dieser Bettine anfängt zu erzählen, findet man so schnell kein Ende.
Leselust, Du hast das liebenswerte Märchen erwähnt, ich möchte dazu noch die Anmerkung machen, dass es 1985 von der DEFA verfilmt wurde und der Film immer noch sehenswert ist.
Mehr darüber hier

Liebe Grüße
Bettina

Rezitante und Musäusfan-ny

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