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Leselust Offline



Beiträge: 2.098

15.07.2009 19:45
RE: Karl Ernst Knodt (1856-1917) antworten

Karl Ernst Knodt, der hessische Pfarrerssohn, später selbst Pfarrer, schrieb eine unglaubliche Menge an Gedichten.
Ein freundlicher und humorvoller Katechet muß er auch gewesen sein - das lassen zumindest einige seiner Gedichte vermuten.
Nicht alle seine Werke sind von höchster Qualität; vieles ist nicht mehr als gutes Handwerk der romantischen Lyrik. Aber es finden sich auch echte Perlen unter seinen Gedichten.

Zu den in meinen Augen herausragenden gehört das Gedicht Rembrandt.

Außerdem seien diese beiden vorgestellt:

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Empor!
 
Ich höre durch die fernste Ferne
Ein Rauschen meiner Heimatsterne.
Auf ihrem Rundgang rücken sie leise
In diese erdgebannten Kreise.
Sie raunen und reden von roten Sonnen,
Von ewigen Welten und ewigen Wonnen.
Sie entzünden der Sehnsucht schlafende Flammen:
Die lodern mit meinen Liedern zusammen
Und schlagen und tragen durchs letzte Thor
Zu den stillsten Sternen des Äthers empor.
 



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Elias auf Horeb
 
Nicht im Sturm und wilden Winde
Auch im Blitz und Donner nicht
Naht Gott Vater seinem Kinde:
Liebe ist das Endgericht!
 
Nach der Nacht voll dunkler Sorgen
Tritt Elias in den Morgen
Auf des Horebberges Grat,-
Spähend, ob sein Gott sich naht,
Gott, der sich so lang versteckt,
Den kein Ruf nach Rache weckt.
 
,Unter allen, die dich lieben,
Bin allein ich überblieben,
Die Altäre rings zerbrochen,
Deine Diener ungerochen,
Deren Blut zum Himmel schreit -:
Gott des Rechts, wie bist du weit!'
 
Und Elias ringt um Rache:
,Das Gericht den Sturm entfache!
Gott, mein Gott, ich rufe dich -:
's ist genug! So nimm auch mich!'
 
Und ins Dunkel seiner Höhle
Trägt er die verzagte Seele:
,s' ist genug! Herr nimm mich nun!
Nicht versteh ich mehr dein Thun!'
 
Da erneut der Morgenstern
Seinen Ruf: ,Tritt vor den Herrn,
Der dir will vorübergehn,
Dass du magst sein Thun verstehn.'
 
Wie Elias tritt nach Aussen,
Hört er eines Sturms Erbrausen,
Dass der stärkste Fels zerbricht,
- Doch im Sturme war Gott nicht.
 
Nach dem Sturm erging ein Beben
Durch die Erde. Berge heben
Sich noch höher in die Luft
- Doch der Herr ists nicht, der ruft!
 
Gleicherzeit entfährt der Wolke
Eines Blitzes Strahl .. "Dem Volke
Widerfährt nun das Gericht", -
Im Triumph Elias spricht.
Doch auch in dem Feuerschein
Sieht sich der Prophet allein!
 
Schon verzagt an Gottes Walten
Der ergrimmte Geist. Nicht falten
Mag Elias mehr die Hände;
All sein Glauben ist zu Ende ...
 
Da enthüllt sich ihm der Wille
Gottes ... Eine grosse Stille
Lagert sich wie Majestät
Auf den Bergen. Leise geht
Gottes Liebe durch die Welt.
 
... Des Propheten Blick sich hellt,
Und - dass ihn der Blick nicht blende,
Schliesst die Augen er und Hände:
"Herr, ich fühls! Die Welten neigen
Still sich dir .. Auch ich will schweigen.'
 



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[ Editiert von Administrator Leselust am 15.07.09 19:48 ]

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