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Leselust Offline



Beiträge: 2.098

19.07.2009 19:17
RE: Hanns von Gumppenberg (1866-1928) antworten

Freund und Kollege des ebenfalls in diesem Forum vorgestellten Otto Julius Bierbaum war Hanns von Gumppenberg, ein Dichter mit fröhlichem Sprachwitz und Freund der leichten Muse.

Für das Kabarett Die Elf Scharfrichter schrieb er 1901 dieses Gedicht - eine echte Herausforderung für Rezitatoren:

Zitat
Sommermädchenküssetauschelächelbeichte
nach O. J. Bierbaum anderen und Wortkopplern

An der Murmelrieselplauderplätscherquelle
Saß ich sehnsuchtstränentröpfeltrauerbang:
Trat herzu ein Augenblinzeljunggeselle
In verweg'nem Hüfteschwingeschlendergang,
Zog mit Schäkerehrfurchtsbittegrußverbeugung
Seinen Federbaumelriesenkrämpenhut -
Gleich verspürt' ich Liebeszauberkeimeneigung,
War ihm zitterjubelschauderherzensgut!

Nahm er Platz mit Spitzbubglücketückekichern,
Schlang um mich den Eisenklammermuskelarm:
Vor dem Griff, dem grausegruselsiegesichern,
Wurde mir so zappelseligsiedewarm!
Und er rief: "Mein Zuckerschnuckelputzelkindchen,
Welch ein Schmiegeschwatzeschwelgehochgenuß!"
Gab mir auf mein Schmachteschmollerosenmündchen
Einen Schnurrbartstachelkitzelkosekuß.

Da durchfuhr mich Wonneloderflackerfeuer -
Ach, das war so überwinderwundervoll..
Küßt' ich selbst das Stachelkitzelungeheuer,
Sommersonnenrauschverwirrungsrasetoll!
Schilt nicht, Hüstelkeifewackeltrampeltante,
Wenn dein Nichtchen jetzt nicht knickeknirschekniet,
Denn der Plauderplätscherquellenunbekannte
Küßte wirklich wetterbombenexquisit!!



Gelegentlich ging es allerdings auch ernster:

Zitat
Erinnerungen

Erinnerungen, die wir sterben ließ
Die unser warmes Herzblut nimmer nährte,
Sie folgen doch als Schatten unsrer Fährte
Und lauschen draußen, wenn wir nun genießen.

Im Dunkeln stehn sie stumm vor unsrer Türe
Wie Bettler, denen niemand mehr will schenken -
Mit wehen Blicken stehen sie, und denken
Verrauschter Freuden und verklungner Schwüre.

Doch einst, wenn dieses Ich, das sie geboren,
Versunken in den Grund der tiefsten Nächte:
Dann haben wieder alle gleiche Rechte,
Die Schwestern alle, denen wir geschworen;

Die jüngsten dann, der Seele letzte Habe,
Den längstgestorbnen reichen sie die Hände,
Zu tanzen ohne Neid und ohne Ende
Den leichten Reigen über unserm Grabe.



Eine Übersicht über sein Werk ist hier zu finden.

[ Editiert von Administrator Leselust am 24.07.09 20:33 ]

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