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Leselust Offline



Beiträge: 2.098

24.07.2009 12:05
RE: Frederika Bremer (1801-1865) antworten

Das großbürgerliche Elternhaus, in dem Frederika Bremer mit vier Schwestern und zwei Brüdern aufwachsen mußte, ist mit spießig und repressiv noch harmlos geschildert; die Kinder waren, um der Charakterstärke und der elfenhaften Schönheit willen, sämtlich unterernährt und unterlagen einem kasernenhaften Drill. Frederika fand ein Stück Freiheit in ihren Feiertagsreimereien, die zunächst ganz comme il faut waren für eine höhere Tochter.
Als junge Frau entdeckte sie selbstbewußtere Formen des Schreibens für sich. Mehr und mehr schrieb sie in Romanform gegen das schwedische Gesetz an, vor dem Frauen unmündig waren.
Sie brach schließlich aus dem Elternhaus aus, indem sie zwei Jahre lang auf eigene Faust Amerika bereiste. Ihre Briefe an ihre Schwester Agatha faßte sie später in dem Buch Durch Nordamerika und Kuba zusammen; es sind eindrucksvolle Schilderungen einer hellwachen Beobachterin. Frederika beobachtete alles, was ihr vor Augen kam: die Landschaft ebenso wie die Leute, verschiedene religiöse Gruppierungen, Schwarze und Indianer, arme und reiche Weiße. Ihre Schilderungen sind von Religiosität ebenso geprägt wie von Freiheitsliebe; immer wieder weist sie zornig auf Unterdrückung von Frauen und Sklaven hin.
Beeindruckt ist sie von sozialen Einrichtungen wie Waisen- und Armenhäusern, Armenschulen und Irrenhäusern (wie das in ihrer Zeit und noch lange danach heißt) und auch von Gefängnissen mit reformerischem Ansatz. Dies kennt sie nicht vom Hörensagen, sondern von eigenen Besuchen - sie spricht mit Gefangenen und Geisteskranken, freut sich über Gefängnisbibliotheken und klavierspielende Kranke, zürnt über lieblos ausgestattete Waisenhäuser.
Den Indianern steht sie ablehnend gegenüber - weil sie ihre Frauen unterdrücken.

Zitat
... ich dachte mich in das Leben und die Umstände dieser Weiber hinein, ohne einen anderen Zweck, ohne eine andere Aussicht als für einen Mann zu leben und einen Mann zu bedienen, den sie öfter nicht selbst gewählt haben, der sie bloß als Dienerinnen behandelt oder wie ein Hahn die Hennen um sich her betrachtet.


Ein tragisches Ereignis, das Fontane schilderte, kannte sie zwar nur durch Aussagen der Anwohner, schreibt gleichwohl beeindruckend darüber:

Zitat
Über den Erie gehen die Emigranten aus allen Nationen, die jetzt westlich von den großen Binnenseen ihre Kolonien errichten. Aber für viele von ihnen wird der Erie ein Grab. Neuerdings fing auf dem Erie ein mit Emigrierten (meistens Deutschen) angefülltes Schiff Feuer und hunderte der armen Auswanderer fanden ihr Grab in den Wogen. Unter denen, die tot herausgezogen wurden, befanden sich sieben und acht Paare, die einander umarmt hielten. Der Tod hatte sie nicht zu trennen vermocht. Die Liebe war stärker als der Tod. Der Steuermann blieb am Steuer stehen, das Schiff gegen das Land hin lenkend, bis die Flammen seine Hände verbrannten. Die Gleichgültigkeit des Kapitäns soll das Unglück verschuldet haben. Auch er ging zu Grunde. Nur 30 bis 40 retteten sich.


Zornig und verständnislos stand sie der Sklaverei gegenüber, die sie als Verstoß gegen Vernunft, Menschlichkeit und Christentum ansah.

Zitat
Bei meinen Besuchen auf etlichen Pflanzungen sah ich ganz deutlich, dass die Frauen mich mit argwöhnischen Blicken anschauten. Eine dieser Frauen gewann ich nichtsdestoweniger lieb. Sie schien mir eine frische, schöne mütterliche Natur zu sein. Ich bat sie um Erlaubnis, mich in dem Sklavendorf in der Nähe des Herrschaftsgebäudes umzuschauen. Sie bewilligte es kalt und ging mit mir. Die Hände (Hände werden im Süden die Arbeitsneger genannt, Feldhände auf den Plantagen) waren jetzt außen auf dem Feld, um das Korn zu besorgen, und ihre Häuser waren verschlossen. Einige davon waren jedoch offen und in diese ging ich hinein. In einem von ihnen saß auf seinem Bett ein alter Neger, der ein Fußübel hatte; er selbst und alles im Hause trug das Gepräge sorgfältiger Pflege. "Er wird in seinem Alter wohl verpflegt, denn er ist einer von unseren Leuten", sagte Mrs. E. laut zu mir, sodass die Neger es hören konnten; "wäre er frei, würde er dann wohl auch gepflegt werden?" - "Warum?", dachte ich aber still vor mich selbst, denn ich wollte der Neger wegen nicht laut sprechen. "Auch wir in Schweden haben auf unsern Gütern alte und kranke Diener, und obschon sie frei sind und frei den Lohn genießen, den sie verdienen, so halten wir es nichtsdestoweniger für Recht und Pflicht, ihnen in ihrer Krankheit und ihrem Alter alle mögliche Pflege angedeihen zu lassen, und wenn sie uns gut gedient haben, dieses Alter so glücklich wie möglich zu machen, so weit unsere Mittel reichen. So wenigstens tun gute Dienstherrn in Schweden. Die schlechten daselbst mögen wie die bösen Sklavenbesitzer hier - dahin fahren, wohin sie gehören."



[ Editiert von Administrator Leselust am 24.07.09 19:59 ]

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