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  • Thema von Consus im Forum Plauderecke

    Allen Literaturfreundinnen und Freunden einen Gruß zuvor!
    Es sei auch in diesem erlesenen Forum auf einen Wettbewerb der Initiative Deutsche Sprache und der Stiftung Lesen hingewiesen: www.der-schoenste-erste-satz.de
    Bis zum 21. September 2007 müssen die Beiträge eingereicht werden.
    Glück zu!

    [ Editiert von Consus am 10.07.07 14:28 ]

  • Thema von Consus im Forum Hier wird vorgestellt...

    1891 erschien Joris-Karl Huysmans’ Roman Là-Bas (Tief unten), ein Skandalerfolg, wie es im Nachwort der bei Reclam erschienenen Übersetzung von Ulrich Bossier handelt (Stuttgart 1994, 374 S.). Wenn ich hier auf diesen Roman hinweise, will ich nicht etwas schreiben, was man im genannten Nachwort, in Literaturgeschichten u. dgl., von viel kompetenteren Leuten dargestellt, nachlesen kann. Um aber Anreiz zum Lesen zu bieten, beschränke ich mich auf eine Stichwortkette, die wesentliche Inhalte des Buches in denkbar knappster Form widerspiegelt: der „Blaubart“ genannte Gilles de Rais (15. Jh.), dessen Untaten und Prozess – Satanismus – Glockensymbolik - Astrologie – Spiritismus – Inkubat – Sukkubat – Nekromantie – Positivismus und Satanismus – Satanspriester – schaurige Darstellung der Schwarzen Messe im Kapitel XIX (S. 271ff.). Daneben erwähnenswert die Beschreibung des Tauberbischofsheimer Altars von Matthias Grünewald (S. 11ff.)..
    Einige Zitate, welche trotz der Übersetzung aus dem Französischen etwas von der Sprache des Autors erkennen lassen:
    S. 12 (zu den Füßen Jesu auf dem Grünewaldbild): „Gräßlich waren sie anzuschauen, diese schwammigen, klumpig verdickten Füße; das Fleisch trieb Sprossen, wucherte über den Nagelkopf, und die gekrümmten Zehen widersprachen der flehenden Geste der Hände, schleuderten Verwünschungen, zerkrallten beinahe mit ihren blaulichen Hornplatten das Ockergelb des Bodens...“.
    S. 33f. (zum Thema Staub): „Staub ist doch eine sehr gute Sache. Abgesehen davon, dass er den Geschmack uralter Bücher heraufbeschwört, ist er das fließende Samtkleid der Dinge, der feine, nur eben trockene Regen, der die allzu krassen Farben und die rohen Töne ausbleicht. Er ist auch Verlassenheitshülle, Vergessensschleier.“
    S. 189 (zum Thema Frau): „Das Beste im Leben sind Frauen, die man nicht bekommt.“
    Die vielen anderen Aspekte des Romans erschließen sich bei eigener Lektüre.

    [ Editiert von Consus am 08.08.07 18:45 ]

  • Thema von Consus im Forum Hier wird vorgestellt...

    Anderen Orts hat Leselust das Rilkegedicht Herbsttag vorgestellt, das in www.e-latein.de, und zwar im Forum Latine loquendi, in lateinischen Übersetzungen heute erscheinen wird.
    Hier möchte ich ein Gedicht aus dem Zyklus „Irish Melodies“ des englisch-irischen Dichters Thomas Moore (1779-1852) zitieren. Ich schreibe es ab aus der in meinem Besitz befindlichen Edition der „Poetical Works of Thomas Moore“, die 1867 in London, illustriert mit Stahlstichen, erschien.

    ´TIS THE LAST ROSE OF SUMMER.
    (Air – „Groves of Blarney.“)

    ´Tis the last rose of summer,
    Left blooming alone;
    All her lovely companions
    Are faded and gone;
    No flow’r of her kindred,
    No rose-bud is nigh,
    To reflect back her blushes
    Or give sigh for sigh!

    I’ll not leave thee, thou lone one!
    To pine on the stem;
    Since the lovely are sleeping
    Go, sleep thou with them;
    Thus kindly I scatter
    Thy leaves o’er thy bed,
    Where thy mates of the garden
    Lie scentless and dead.

    So soon may I follow,
    When friendships decay,
    And from Love’s shining circle
    The gems drop away!
    When true hearts lie wither’d,
    And fond ones are flown,
    Oh ! who would inhabit
    This bleak world alone?

    [ Editiert von Consus am 21.08.07 21:40 ]

  • Thema von Consus im Forum Hier wird vorgestellt...

    Heute möchte ich eins meiner Lieblingsbücher aus der französischen Literatur vorstellen: Gustave Flaubert, Salammbô. Einen ersten Eindruck erhält man schon aus der Eingangsszene im ersten Kapitel:

    C'était à Mégara, faubourg de Carthage, dans les jardins d'Hamilcar.

    Les soldats qu'il avait commandés en Sicile se donnaient un grand festin pour célébrer le jour anniversaire de la bataille d'Eryx, et comme le maître était absent et qu'ils se trouvaient nombreux, ils mangeaient et ils buvaient en pleine liberté.

    Les capitaines, portant des cothurnes de bronze, s'étaient placés dans le chemin du milieu, sous un voile de pourpre à franges d'or, qui s'étendait depuis le mur des écuries jusqu'à la première terrasse du palais ; le commun des soldats était répandu sous les arbres, où l'on distinguait quantité de bâtiments à toit plat, pressoirs, celliers, magasins, boulangeries et arsenaux, avec une cour pour les éléphants, des fosses pour les bêtes féroces, une prison pour les esclaves.


    In der Übersetzung von Georg Brustgi (insel taschenbuch 1867, Ffm 1996, S. 9):

    Es war in Megara, der Vorstadt von Karthago, in den Gärten Hamilkars.

    Die Soldaten, die er in Sizilien befehligt hatt, veranstalteten ein großes Festgelage, um den Jahrestag der Schlcht bei Eryx zu feiern, und da der Herr abwesend war und sie in großer Zahl versammelt waren, aßen und tranken sie in völliger Ungezwungenheit.

    Die Hauptleute, die bronzene Kothurne trugen, hatten auf dem Mittelweg unter einem Purpurzelt mit goldenen Fransen Platz genommen, das von der Mauer der Pferdeställe bis zur ersten Terrasse des Palastes reichte. Die Masse der Gemeinen lagerte verstreut unter den Bäumen, wo man eine Menge Gebäude mit flachen Dächern erkennen konnte, Keltern, Speisekeller, Vorratsspeicher, Backhäuser und Rüstkammern mit einem Gehege für die Elefanten, Gruben für die wilden Tiere und einem Gefängnis für die Sklaven.


    Mit einer unglaublichen Detailtreue in Bezug auf alle Sinneseindrücke, insbesondere auf Örtlichkeiten, Farben, Gerüche schildert Flaubert ein ebenso prachtvolles wie dramatisches, zum Teil grausiges Geschehen. Kein Wunder, dass man, wenn Salammbô, die sinnliche karthagische Prinzessin, vor unser geistiges Auge tritt, spontan an Moreaus Salome im Gemälde „Die Erscheinung“ denkt. Man sehe sich auch die Illustrationen von Georges Rochegrosse und Léon Comerre an. Die literaturhistorische Bewertung möchte ich anderen überlassen und hier nur zur langsamen, genussreichen Lektüre einladen.

  • Thema von Consus im Forum hier wird vorgestellt...

    Jens Peter Jacobsen (1847 – 1885), dänischer Schriftsteller. Ich werde hier nicht das notieren, was man in den gängigen Nachschlagewerken lesen kann, sondern den Autor mit Textbeispielen zu Worte kommen lassen.
    Zunächst sei der Roman Niels Lyhne (1880), den auch Rilke sehr schätzte, vorgestellt. Schon der Anfang des Buches zieht uns in seinen Bann:
    Sie hatte die schwarzen, strahlenden Augen der Bliders mit den feinen, schnurgeraden Brauen, sie hatte ihre stark ausgebildete Nase, ihr kräftiges Kinn, ihre üppigen Lippen. Den eigentümlich schmerzlich sinnlichen Zug um den Mundwinkel und die unruhigen Bewegungen mit dem Kopfe hatte sie auch geerbt, aber ihre Wangen waren bleich, und ihr seidenweiches Haar schloss sich sanft und glatt den Formen des Kopfes an.
    Und der Schluss erzeugt einen gewaltigen Nachhall:
    Niels’ Schmerzen wurden heftiger und heftiger, es hämmerte unbarmherzig in der Brust, ohne aufzuhören. Es wäre so schön gewesen, wenn er nun einen Gott gehabt hätte, zu dem er hätte klagen, zu dem er hätte beten können.
    Gegen Morgen fing er an, zu phantasieren; die Entzündung war in vollem Gange.
    Und so ging es noch zwei Tage und zwei Nächte weiter.
    Das letztemal, als Hjerrild Niels Lyhne sah, lag er da und phantasierte von seiner Rüstung, und dass er stehend sterben wolle.
    Und endlich starb er dann den Tod, den schweren Tod.


    Die dazwischen liegenden Ereignisse bewegen sich auf einer gnadenlos absteigenden Kurve: von letztlich unerfüllter Liebe geprägte Beziehungen zu Frauen, dann aber doch Heirat, Tod der Frau und noch Schrecklicheres... So hat der Held des Romans allen Anlass, mit der Gottesfrage zu ringen, für die er Antwort im Atheismus Feuerbachscher Prägung findet. Aufschlussreich das Gespräch genau am Weihnachtsabend (9. Kap.). Ein Auszug daraus:
    »Aber,« rief Niels Lyhne aus, »begreifen Sie denn nicht, dass an dem Tage, wo die Menschheit frei jubeln kann: »es gibt keinen Gott,« wie mit einem Zauberschlage eine neue Erde und ein neuer Himmel geschaffen würden? Erst dann wird der Himmel der freie, unendliche Raum eines drohenden Späherauges. Erst dann wird die Erde unser, und wir der Erde, wenn jene Welt der dunklen Seligkeit und der Verdammnis geplatzt ist wie eine Blase. Die Erde wird unser wahres Vaterland, unsere Herzensheimat, wo wir nicht wie fremde Gäste während einer kurzen Spanne sind, sondern all unsere Zeit. Und welche Intensität wird es dem Leben geben, wenn alles darin Raum finden muss, und nichts mehr jenseits liegt. Der ungeheure Strom von Liebe, der jetzt zu dem Gott emporsteigt, an den man glaubt, wird sich, wenn der Himmel leer ist, über die Erde ergießen, hin zu all den schönen menschlichen Eigenschaften und Gaben, die wir potenziert und dann die Gottheit damit geschmückt haben, um sie unserer Liebe wert zu machen. Güte, Gerechtigkeit, Weisheit, wer kann sie alle nennen? Begreifen Sie nicht, welchen Adel es der Menschheit verleihen wird, wenn sie frei ihr Leben leben und ihren Tod sterben kann, ohne Furcht vor Hölle oder Hoffnung auf den Himmel, nur sich selbst fürchtend, nur auf sich selber hoffend? Wie wird das Gewissen wachsen, und welche Festigkeit wird es geben, wenn tatenlose Reue und Demut nichts mehr sühnen können, und keine andere Vergebung möglich ist, als durch Gutes das Böse gutzumachen, das man mit Bösem verbrach.
    Von den Novellen, die Jacobsen schrieb, hat mich am meisten Die Pest in Bergamo beeindruckt, zeigt sie doch, welche grauenhaften Veränderungen in Menschen vorkommen können, wenn Katastrophen über sie hereinbrechen. Man wird zu einem Vergleich mit Camus’ La Peste herausgefordert.

    Zum Schluss eines seiner Gedichte:

    Ewig und ohne Veränderung

    Ewig und ohne Veränderung
    Ist nur die Leere.
    Alles, was war und was ist,
    Des Lebendigen Heere
    Keimen, sprossen, entstehen,
    Wechseln, altern, vergehen.

    Welten sind gewandert,
    Wo Welten jetzt wandern,
    Einst in den Zeiten
    Kommen die andern.
    Tod geweiht sind des Lebenden Heere,
    Ewig ist nur die unendliche Leere.


    (1875?).

    Erschienen ist Jacobsens Werk u. a. in der Manesse Bibliothek der Weltliteratur.
    ---
    editiert von Leselust: Kurz erwähnt wurde Jacobsen bereits hier.

    [ Editiert von Administrator Leselust am 21.11.07 18:46 ]

  • Thema von Consus im Forum Hier wird vorgestellt...

    Heute vor hundert Jahren starb Wilhelm Busch. Statt über ihn etwas zu sagen, soll er selbst zu Wort kommen mit dem folgenden Gedicht aus dem Jahre 1899:

    Wiedergeburt

    Wer nicht will, wird nie zunichte,
    Kehrt beständig wieder heim.
    Frisch herauf zum alten Lichte
    Dringt der neue Lebenskeim.
    Keiner fürchte zu versinken,
    Der ins tiefe Dunkel fährt.
    Tausend Möglichkeiten winken
    Ihm, der gerne wiederkehrt.
    Dennoch seh ich dich erbeben,
    Eh du in die Urne langst.
    Weil dir bange vor dem Leben,
    Hast du vor dem Tode Angst.

  • Thema von Consus im Forum Hier wird vorgestellt...

    Goethes Faust I vor 200 Jahren, Ostern 1808, erschienen.

    Faust (allein).

    [...]
    Hier ist ein Saft, der eilig trunken macht;
    Mit brauner Flut erfüllt er deine Höhle.
    Den ich bereit, den ich wähle,
    "Der letzte Trunk sei nun, mit ganzer Seele,
    Als festlich hoher Gruß, dem Morgen zugebracht!

    (Er setzt die Schale an den Mund.)

    Glockenklang und Chorgesang.

    Chor der Engel:

    Christ ist erstanden!
    Freude dem Sterblichen,
    Den die verderblichen,
    Schleichenden, erblichen
    Mängel unwanden.

    Faust:

    Welch tiefes Summen, welch heller Ton
    Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?
    Verkündiget ihr dumpfen Glocken schon
    Des Osterfestes erste Feierstunde?
    Ihr Chöre, singt ihr schon den tröstlichen Gesang,
    Der einst, um Grabes Nacht, von Engelslippen klang,
    Gewißheit einem neuen Bunde?

    [ Editiert von Consus am 26.05.08 10:15 ]

  • Thema von Consus im Forum Hier wird vorgestellt...

    Über das Gesamtwerk des deutschen Orientalisten Friedrich RÜCKERT (1788-1866) kann man sich anderen Orts im Netz informieren. Hervorgehoben seien hier nur die sog. Kindertotenlieder, die Gustav Mahler vertonte, die Übersetzung von Gedichten des Dschelal ad-Din Rumi und Hafis, die leider unvollendet gebliebene Koran-Übersetzung und nicht zuletzt das gewaltige Opus Weisheit des Brahmanen, das einmal als schönstes und gedankenreichstes Lehrgedicht der deutschen Sprache bezeichnet wurde und im Geiste brahmanischer, buddhistischer Anschauungen, aber auch im Sinne antiker und neuzeitlicher Philosophie (Fichte, Hegel) eine pantheistische Weltdeutung versucht. Der Aufbau des Werkes vollzieht sich in zwölf Stufen: I. Einkehr, II. Stimmung, III. Kampf, IV. Schule, V. Leben, VI. Prüfung, VII. Erkenntnis, VIII. Weltseele, IX. Dämmerklarheit, X. Vom Totenhügel, XI. Im Anschauen Gottes, XII. Frieden. Aus meiner alten Reclam-Ausgabe zitiere ich das allererste Gedicht von Hunderten, die sich über 617 Seiten verteilen:

    Ein indischer Brahmane, geboren auf der Flur,
    Der nichts gelesen als den Weda der Natur;
    Hat viel gesehn, gedacht, noch mehr geahnt, gefühlt,
    Und mit Betrachtungen die Leidenschaft gekühlt;
    Spricht bald, was klar ihm ward, bald um sich’s klar zu machen,
    Von ihn angehnden halb, halb nicht angehnden Sachen.
    Er hat die Eigenheit, nur Einzelnes zu sehn,
    Doch alles Einzelne als Ganzes zu verstehn.
    Woran er immer nur sieht schimmern einen Glanz,
    Wird ein Betkügelchen an seinem Rosenkranz.

    ************************************************************
    In diesen Herbsttagen ein Rückertsches Herbstgedicht:

    Herbsthauch

    Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
    Hoffst du von Tagen zu Tagen,
    Was dir der prangende Frühling nicht trug,
    Werde der Herbst dir noch tragen?
    Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch
    Immer zu schmeicheln, zu kosen,
    Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
    Abends zerstreut er die Rosen.
    Lässt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
    bis er ihn völlig gelichtet.
    Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
    Was wir geliebt und gedichtet.

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